00:00:00: Ludwig Thig, Melancholie.
00:00:05: Schwarz war die Nacht und dunkle Sterne branden Durch Wolken, Schleiher, Matt und Bleich.
00:00:13: Die Flur durchstrich das Geisterreich Als feindlich sich die Parzen abwärtswandten Und Zonngegötter mich ins Leben sanden.
00:00:26: Die Eule sang mir grause Wegenlieder und schrie mir durch die stille Ruhe ein grässliches Willkommen zu.
00:00:34: Der bleiche Grahm- und Jammer sank nieder, angrüßten mich als längst gekannte Brüder!
00:00:42: Da sprach der Grahm in Bangergeisterstunde Du bist zu Qualen eingeweiht Ein Ziel des Schicksals Grausamkeit.
00:00:52: Die Bogen sind gespannt, und jede Stunde schlägt grausam dir stets neue Blutgewunde.
00:00:59: Dich werden alle Menschenfreuden fliehen?
00:01:02: Dich spricht kein Wesen freundlich an!
00:01:06: Du gehst die wüste Felsenbahn wo Klippendrohn Wo keine Blumen blühen Der Sonne strahlen heiß Und heißer Glün Die Liebe, die der Schöpfung alldurch klingt.
00:01:21: Der Schirmen jammert den Leiden Die Blüte aller Menschen freuden, die unser Herz zum höchsten Himmel schwingt, wo Durst aus selgem Born erquicken trinkt.
00:01:33: Die Liebe sei auf ewig dir versagt!
00:01:37: Das Tor ist hinter dir geschlossen.
00:01:40: Auf der Verzweiflung wilden Rossen wirst du durchs öde Leben hingejagd, wo keine Freude dir zu folgen wagt.
00:01:49: Dann singst Du in die ewige Nacht zurück Sie tausend Elend auf dich ziehen, Im Schmerz dein Dasein nur zu fühlen.
00:02:00: Ja?
00:02:01: Erst im ausgelöschten Todesblick Begrüßt voll mittler dich Das erste Glück.
00:02:10: Ludwig Thig.
00:02:12: Melancholie Gelesen von Helge Heinhold.