00:00:00: Christian fürchte Gott Gellert.
00:00:02: Die Nachtigall und die Leriche.
00:00:06: Die Nachtigall sang einst mit vieler Kunst, ihr Lieder warb der ganzen Gegend Gunst!
00:00:13: Die Blätter in den Gipfen schwiegen und fühlten einen Geheim vergnügen.
00:00:19: Der Vögelkorr vergas der Ruhe und hörte Philomelen zu.
00:00:23: Aurora selbst verzog am Horizont weil sie die Sängerin nicht genug bewundern konnte Denn auch die Götter rührt der Schall, Der angenehme Nachtigal.
00:00:34: Und ihr, der Göttin, Ihr zu Ehren ließ Philo Mele Sich noch zweimal schöner hören!
00:00:42: Sie schweigt darauf.
00:00:44: Die Lärche naht sich ihr und spricht Tu singst viel reizender als wir?
00:00:50: Dir wird mit Recht der Vorzug zugesprochen.
00:00:53: Doch eins gefällt uns nicht an dir Du singst das ganze Jahr Nicht mehr als wenig Wochen Noch.
00:01:01: Philomene lacht und spricht, Dein bitterer Vorwurf krängt mich nicht Und wird mir ewig Ehre bringen.
00:01:09: Ich singe kurze Zeit.
00:01:11: Warum?
00:01:12: Um schön zu singen!
00:01:14: Ich folg im Singen der Natur.
00:01:17: So lange sie gebeut, so lange sing ich nur.
00:01:21: Sobald Sie nicht gebeut ,so höre ich aufzusingen Denn die Natur lässt sich nichts zwingen.
00:01:29: Oh Dichter Denkt an Philomelen.
00:01:33: Singt nicht, solang ihr singen wollt!
00:01:36: Natur und Geist die euch besehlen sind Euch nur wenig Jahre holt!
00:01:42: Soll euer Witz die Welt entzücken?
00:01:44: So sinkt, so lang Ihr fäurig seid Und öffnet Euch mit Meistersstücken den Eingang in die Ewigkeit!
00:01:52: Singt geistreich der Natur zu Ehren und scheint euch die nicht mehr geneigt, so alt um rühmlich aufzuhören, eh ihr zu spät mit Schande schweigt.
00:02:04: Wer sprecht?
00:02:05: ihr will den Dichter zwingen?
00:02:08: Er bindet sich an keine Zeit!
00:02:11: So fahrt dann fort noch alt zu singen Und singt Euch um die Ewigkeit.
00:02:20: Christian fürchte Gott Gelad Die Nachtigall und die Lärche Vorgelesen von Helge Heinold.