00:00:00: Sophie Mereo Feuerfarb.
00:00:05: Ich weiß eine Farbe, der bin ich so holt.
00:00:09: Die achte ich höher als Silber und Gold.
00:00:12: Die trage ich so gerne um Stirn und Gewand Und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.
00:00:20: Wohl reizelt die Rose mit sanfter Gewalt.
00:00:23: Doch bald ist verblichen die Süße gestallt.
00:00:26: Drum wart sie zur Blume der Liebe geweiht.
00:00:30: Bald schwindet ihr Zauber Vom Hauch in der Zeit.
00:00:35: Die Bleue des Himmels strahlt herrlich und mild, Drum gab man der Treue dies freundliche Bild.
00:00:41: Doch trübet manch Wölkchen den Äther so rein So schleichen beim Treuen auch Sorgen sich ein!
00:00:50: Die Farbe des Schnee ist so strahlen Und Licht heißt Farbe der Unschuld.
00:00:55: Doch dauert sie nicht.
00:00:57: Bald ist es verdunkelt das blendende Kleid.
00:01:01: So trüben auch Unschuld Verleumdung und Neid.
00:01:05: Und Frühlings von schmeichelnden Lüftchen entbrannt trägt Wältchen und Wiese der Hoffnung gewandt, bald welken die Blätter.
00:01:14: uns sinken hinab – so singt oft der Hoffnungen liebste ins Grab!
00:01:21: Nur Wahrheit bleibt ewig und wandelt sich nicht, sie flammt wie der Sonne erleuchtendes Licht.
00:01:28: Ihr habe ich mich ewig zu Eigen geweiht, Wohl dem der ihr Blitzen des Auge nicht scheut.
00:01:36: Warum ich so fragt ihr der Farbe Soholt?
00:01:39: Den heiligen Namen der Wahrheit gezollt?
00:01:43: Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt Und ruhige Dauer sie schützend umschließt!
00:01:49: Ihr schadet der nessende Regenguss nicht Noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht.
00:01:55: Drum trage ich so gern sie um Stirn und Gewand, Und habe sie Farbe der Wahrheit genannt.
00:02:04: Sophie Merot Feuerfarb Vor gelesen von Helga Heinholt.