Ohrenweide

Ohrenweide

Transkript

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00:00:00: Nannaia Merupis, Lebenstraum.

00:00:05: Ermüdet schob ich die Schachtel zur Seite, mein Arm schmerzte.

00:00:11: Lange schon betrachtete ich den Ausweis der in meinem Schrank zwischen alten Heften Fotos und einem schon sehr verblechenen Hochzeitsbild zum Vorschein gekommen war – ausgestellt auf meinen Namen, datiert auf den sechsohnzwanzigsten Juni nineteenhundertfünfundsechzig aber niemals unterschrieben und abgestempelt.

00:00:32: Ich erinnerte mich sehr genau an jenen Tag, als ich mich endlich traute, mich im Vorraum der schäbig wirkenden Umkleide-Kabine für die Schülermannschaft des kleinen Landvereines anzumelden.

00:00:46: Schneller als erwartet wurde mir ein Ausweis ausgehändigt – aber versehen mit Auflagen, mit denen ich nicht gerechnet hatte!

00:00:55: Du brauchst noch einer Test vom Hausarzt und eine Unterschrift deines Vaters.

00:01:00: Und dann schon ... dann sehen wir uns beim Training.

00:01:04: Da mein Vater aber nichts von meinem Vorhaben wusste und meine schulischen Leistungen zu jener Zeit auch nicht die besten waren, verblieb meinen Spielerpass als wesentliches Dokument in den Geheimfächern meiner gesamten Schulzeit.

00:01:21: Mein Fußballspiel beschränkte sich später auf das Kicken mit Freunden im Park und auf Klassenspiele an meiner Schule die ich gerne organisierte und bei denen ich meist mit der Nummer vier als linker Verteidiger auflief.

00:01:36: Doch später kam unerwartet noch eine wunderbare Fußballspätzeit auf mich zu, als sich die Funktion des Managers-und Co-Trainers einer Pfarrjugendmannschaft inne hatte – auch diesmal war die Verwirklichung des Planes nicht einfach!

00:01:52: Ich musste bei der Gemeinde eine Genehmigung erwirken verzichtete aber auf die Einverständniserklärung des Fahrers, indem ich das Training auf der Pfarrwiese an seinen freien Tagen ansetzte – wo er fast immer seine Wirkungsstätte verließ.

00:02:08: Und dann ging es los mit einem meisterschaftsähnlichen Spielbetrieb.

00:02:13: Meist unterschied sich die Mannschaftsauffstellung an den Wochenenden stark von der bei den Trainingseinheiten.

00:02:20: Manchmal konnten wir nur acht oder neun Spieler stellen, was nicht sehr förderlich für den Erfolg war.

00:02:26: Ein einziges gutes Spiel am heimatlichen Platz vor beachtlicher Zuschauerzahl war zu wenig und so ging meine Trainertätigkeit nach einem Jahr wieder zur Ende.

00:02:38: Es blieb das private Training meiner Kinder, wobei mein Sohn es für eine einzige Saison in die Auswahlmannschaft seiner Schule geschafft hatte.

00:02:48: Lange schwelbte ich in den Erinnerungen.

00:02:53: Wenn ich auf die sechs oder sieben gepackten Schachteln blickte stieg Trauer in mir auf, da ich meine Wohnung nach so vielen Jahrzehnten verlassen wollte.

00:03:03: Andererseits war in letzter Zeit vieles mühsamer geworden.

00:03:07: Das tägliche Treppensteigen ebenso wie das Nicht-Verhandensein eines modernen Badezimmers.

00:03:13: Kleiner würde mein neues Zuhause auch sein – das war mir besonders wichtig!

00:03:20: Mit dem richten Fuß schubbe ich mir die Schachtel wieder heran.

00:03:23: Ich nahm einen Fehlstift und schrieb Kindheit & Jugendzeit darauf.

00:03:28: Ja, der Fußball war ein ewiger Lebenstraum gewesen auch wenn ich ihn einst anders geträumt hatte.

00:03:37: Ich griff nach dem alten Spielerpass und legte ihn sorgfältig zurück in die Schachteln.

00:03:46: Nannaia Merubis – Lebenstraum vorgelesen von Helge Heinold aus dem Buch Lebenslichtspuren einem Buch das ein Geheimnis enthält erschienen im Engelsdorfer Verlag.

Über diesen Podcast

Texte zum Mutmachen und Nachdenken - vorgelesen von Helge Heynold

Es begann mit der Corona-Krise. Große Verunsicherung machte sich breit. Der Alltag änderte sich für alle, für viele war die Existenzgrundlage bedroht. In dieser Zeit fingen wir an, die "Ohrenweide" zu produzieren.

Der Podcast ist ein Riesenerfolg geworden, und so möchten wir weiterhin dazu beitragen, dass Menschen Kraft schöpfen: Mit literarischen Fundstücken zum Mutmachen und Nachdenken, aus alter Zeit, aus der Bibel – oder auch ganz aktuell. Und zwar als "Hörgeschenk". Mit der "Ohrenweide" kommt jeden Tag ein Hörstückchen per Podcast oder online (auf evangelisch.de) zu allen nach Hause und lässt Hoffnungshalme sprießen im Alltag.

Der Schauspieler, Radio- und Hörbuchsprecher Helge Heynold sucht die Texte zusammen mit der evangelisch.de-Redaktion aus und liest sie in seinem eigens zwischen Bücherregalen eingerichteten, improvisierten Studio ein.

Viel Freude damit!

von und mit Helge Heynold, Claudius Grigat, Frank Muchlinsky

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